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Was hat Karate mit Griechenland zu tun?

Von Daniel Däuber

Karate und Griechenland. Was sollten die miteinander zu tun haben? Nichts, oder? Karate kommt aus Japan. Aus Griechenland kommen Tsatsiki und Oliven. Beides lecker, aber Gemeinsamkeiten mit Japan? Keine, oder? Mal genauer überlegen. Wofür ist Griechenland denn noch berühmt – abgesehen vom leckeren Essen? Füüüür? Na? Genau. Für seine Philosophen in der Antike: Aristoteles, Platon, Sokrates. Schon mal gehört, oder? Na klar! Und damit haben wir auch schon unsere Verbindung zwischen Karate und Griechenland. Philosophie.

Ich wage mal zu bezweifeln, dass die alten Philosophen Karate betrieben haben. Das haben sie mit unserer Kampfkunst also wohl nicht gemeinsam. Aber sie haben “philosophiert”, also viel nachgedacht. In der Philosophie geht es also ums Denken. Und vieles über was die griechischen Philosophen so nachgedacht haben, gilt bis in die heutige Zeit und hat auch so einiges mit unserer Kampfkunst zu tun.

Links: Zenon von Kiton  (Bildquelle: Servizio fotografico : Napoli, 1969 / Paolo Monti. Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en)

Aber im Karate gehts doch ums Kämpfen, nicht ums Denken,
oder? Wozu brauchen wir denn den Kopf im Karate. Den
meisten von Euch ist sicher bereits klar, dass es im Karate
nicht nur ums Kämpfen mit Fäusten und Füßen geht, sondern
auch ums Kämpfen mit dem Verstand. Also nochmal zurück
zur Frage “ Was hat Karate mit Philosophie zu tun”.
Philosophie kann man auch als innere Einstellung oder als
Geisteshaltung verstehen. Und spätestens jetzt wird klar:
Darum gehts im Karate ja ganz allgemein auch!
Lasst uns mal gemeinsam einige Beispiele anschauen. Eine der wichtigsten Richtungen in der Philosophie nennt sich “Stoa” oder auch “Stoizismus” und wurde vom griechischen Philosophen Zenon von Kiton  (333 – 262 v. Chr.) begründet.

Zenon unterrichtete in einer Säulenhalle (Stoa) auf dem Marktplatz von Athen, daher der Name. Den Begriff Stoa findet man bis heute. Wir können zum Beispiel stoisch – also geduldig, unerschütterlich, diszipliniert – Karate trainieren.  Oder wir können in einer brenzligen Situation eine stoische Ruhe – also Gelassenheit und Besonnenheit – bewahren. Diese Werte kennen wir auch vom Karate-Do.

Der Stoizismus hat sich von Griechenland bis nach Rom ausgebreitet, und der letzte große Stoiker war der römische Kaiser und Philosoph Mark Aurel (121 – 180), auch Marcus Aurelius genannt. Der hat seine Gedanken in einigen Büchern (Meditationen oder Selbstbetrachtungen genannt) niedergeschrieben, die noch heute millionenfach um die Welt gelesen werden.  Lest mal diesen Gedanken von Mark Aurel und überlegt für Euch selbst, ob dieser nicht auch im Karate-Training anwendbar ist.

 

“Übt euch in freiwilliger Erschwernis”

 

Die Idee dahinter ist, nicht den leichten, sondern den schwereren Weg zu gehen. Klingt erstmal unlogisch. Vielleicht sogar etwas dumm. Ist es aber nicht! Stellt euch vor Ihr habt einen Monat lang jeden Tag die Wahl den Aufzug oder die Treppe zu nehmen. Was glaubt ihr in welchem Szenario ihr nach 30 Tagen stärker und fitter seid als zuvor? Wir haben die Wahl. Die Wahl, ins Training zu kommen oder es uns daheim vorm TV gemütlich zu machen. Die Wahl, im Training entweder alles zu geben, oder zu versuchen uns nicht so sehr zu Verausgaben. Wir haben die Wahl, uns immer wieder selbst  zu überwinden und ständig besser werden. Karate lehrt uns genau diese Lebenseinstellung! In diesem Sinne: Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein.

Stammt Karate denn nun wirklich aus Griechenland?

 

Es gibt wirklich Theorien, die besagen dass die Ursprünge des Karate (zumindest teilweise) in Griechenland liegen könnten. So wie der Ursprung der heutigen Landwirtschaft und Viehzucht in einem Gebiet namens “Fruchtbarer Halbmond” im ehemaligen Persien liegt, könnten sich Kampftechniken von dort über Griechenland und China bis nach Okinawa und Japan ausgebreitet haben, auch wenn das nicht wissenschaftlich bewiesen ist.

In der von den Sumerern errichteten Stadt Urq, einer der ersten Städte der Menschheitsgeschichte, fand man Tonscherben mit Bildern von ringenden und boxenden Männern. In Griechenland entwickelte sich ein Kampfsystem namens “Pankration”, bei dem Treten, Stoßen, Würgen, Werfen und Bodenkampf erlaubt waren.

Im südlichen Indien entstand dann noch vor der Geburt des Buddhismus eine Kampftechnik mit leeren Händen namens “Kalaripayat”. Um 520 n. Chr. Soll der buddhistische Mönch Bodhidharma von Indien nach China gekommen sein und dort neun Jahre lang im Shaolin Tempel gelebt und meditiert haben. Er brachte den chinesischen Shaolin Mönchen 18 Kata zur “Transformation der Sehnen und Bänder” und Atemtechniken bei. Diese Techniken sind Wohl der Ursprung des chinesischen Kempo (Kempo  ist die japanische Aussprache des chinesischen Worts quanfa, ist ein japanischer Sammelbegriff für verschiedene Kampfkünste, zu denen auch das Kung Fu zählt). Und die Ausbreitung der chinesischen Kampfkünste nach Okinawa und Japan ist Euch ja wahrscheinlich bekannt. Wenn nicht, ist das eine Geschichte für ein anderes Mal.

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